Soennecken Logo

Magazin

Der Brief ist tot – es lebe der Brief!

Handgeschriebene Briefe werden aktuell sehr wertgeschätzt. Nicht nur, weil sie selten geworden sind, sondern weil sie die Sehnsucht nach Entschleunigung und geschenkter Zeit bedienen.

Brief_schreiben_Magazin.jpg

Im privaten Bereich ist die Statistik eindeutig: Social Media wie Facebook, WhatsApp oder Skype nehmen rund die Hälfte der Kommunikation ein, gefolgt von E-Mails. Abgeschlagen das Telefonat und völlig abgeschlagen Brief und Postkarte mit nur drei Prozent. Doch es scheint sich ein Gegentrend zur enormen Präsenz elektronischer Kommunikation zu entwickeln – selbst bei Jugendlichen. Warum, weiß jeder selbst, der schon mal zwischen Rechnungen und Werbung einen handgeschriebenen Brief aus seinem Briefkasten gefischt hat. Man ist neugierig und man freut sich. Man hält ihn in den Händen, macht ihn auf, hält ihn in der Hand, während die Vorfreude aufs Lesen steigt. All das fehlt bei E-Mails. Ein bisschen ist es wie ein selbstgemaltes Kinderbild – etwas Persönliches, etwas Besonderes, denn ...

... ein handgeschriebener Brief bedeutet, Zeit zu schenken.

Zeit, nicht nur fürs Schreiben, auch fürs Überlegen, denn Papier und Füller haben weder Löschtaste noch Autokorrektur. Gedanken müssen sortiert werden, Worte gefunden, Papier und Umschlag ausgewählt werden – und letztlich muss der Brief auch noch in den gelben Kasten gebracht werden. Wer einen Brief mit der Hand schreibt, schenkt dem Empfänger seine Zeit – und die ist bekanntermaßen kostbar. Das bedeutet immer auch: Wer den Brief erhält ist für den Schreiber etwas ganz Besonders. Ein Liebesbrief per Email ist auch schön, aber längst nicht das gleiche.

... ein handgeschriebener Brief bewahrt Erinnerungen

Zwar heißt es, im Netz geht nichts verloren, aber mal ehrlich: Wer speichert seine Emails über Jahre oder liest nochmal Chats, die zehn Jahre zurückliegen? WhatsApp-Nachrichten findet man auch nicht nach Jahren in einer verstaubten Kiste. Briefe schon – manchmal sogar erst die Nachfahren beim Stöbern auf dem Dachboden. Und dann ist jeder Brief nicht nur einfach ein alter Text, sondern auch die Erinnerung an die Person, die ihn geschrieben hat.

Brief_schreiben_Magazin_02.jpg

... ein handgeschriebener Brief bedeutet Entschleunigung

Als Gegenbewegung zum immer hektischer werdenden Alltag steigt seit einigen Jahren das Interesse der Menschen an kreativen Tätigkeiten mit den Händen. Basteln, Malen oder Schreiben ist eine sinnliche Erfahrung, die Ruhe und Muße bedingen. Man schreibt und man liest ihn bewusst – manchmal sogar mehrfach – und legt ihn an einen besonderen Ort. Selbst eine Urlaubspostkarte (wie altmodisch, oder?) findet häufig ihren stets einsehbaren Platz an Pinnwand oder Kühlschrank.

Tipps fürs Briefeschreiben mit der Hand:

• Das Auge des Empfängers liest nicht nur, es sieht auch feines Papier. An Briefpapier und auch an Umschlägen gibt es in Fachhandel und Papeterie eine Vielzahl an Varianten, die nicht nur dem Auge, sondern auch den Händen schmeicheln.

• Ein Füller mit breiter Feder „zwingt“ zu größeren Buchstaben, was optisch schöner wirkt. Außerdem kaschiert die breite Feder viel besser eine etwas krakelige Schrift als ein Kugelschreiber.

• Ein linierten Bogen unter dem Blanko-Briefpapier hilft, die Zeilen gerade und die Abstände gleich zu halten. Briefblöcken liegt ein solcher Bogen häufig bei.

• Verschönern lässt sich ein Brief auch mit dem Kreativ-Trend Hand-Lettering. Da hierbei jedem einzelnen Buchstaben Zeit zum Zeichnen und Ausschmücken gegeben wird, eignet es sich weniger für einen ganzen Brief als für einen netten Gruß oder ein Zitat am Ende.